Steak auf einem Brett mit Öl , Gabel und Messer

Ernährungstrends unter der Lupe

Geschmackssache

Vegetarisch ist für die meisten Menschen längst kein Fremdwort mehr, mit vegan können auch viele etwas anfangen. Was aber kommt auf den Teller, wenn sich jemand nach der Paleo-Methode ernährt, „clean“ isst oder auf Raw Food setzt? Und wie geeignet sind diese Ernährungstrends im Hinblick auf eine rheumatische Erkrankung?

Essen wie in der Steinzeit mit Paleo

Bei der Paleo-Ernährung (abgeleitet von Paläolithikum, also Altsteinzeit) stehen Lebensmittel auf dem Speiseplan, die sich rein theoretisch jagen, pflücken, sammeln und angeln lassen – also Obst und Gemüse, Kräuter, Pilze, Nüsse sowie Fleisch (Wild), Fisch und Eier. Zu trinken gibt es Wasser und Kräutertees. Milch- und Milchprodukte sowie Getreide und Getreideprodukte wie Brot oder Nudeln fallen hingegen unter den Tisch. Und natürlich auch alle industriell verarbeiteten Lebensmittel wie Zucker, Fertiggerichte, Süßigkeiten, Wurst oder alkoholische Getränke. Auch wenn dieser letzte Aspekt aus ernährungsmedizinscher Sicht durchaus sinnvoll ist, so ist der Verzicht auf Milch, Joghurt, Käse oder Quark vor allem auch für Rheumapatienten kritisch zu sehen. Schließlich sind Milchprodukte wichtige Kalziumlieferanten. Auch der relativ hohe Anteil an tierischen Produkten wie Fleisch und Eier in der Paleo-Ernährung kann sich durch den hohen Gehalt an entzündungsfördernder Arachindonsäure negativ auf die rheumatische Erkrankung auswirken. Positiv an der Paleo-Diät ist zwar, dass viel Gemüse und Obst auf den Teller kommt. Dafür aber fehlen durch den Getreideverzicht wertvolle Ballaststoffe.

Nichts Gekochtes: Raw Food

Steigt unsere Körpertemperatur über 42 Grad, können wir nicht überleben. Das gilt auch für unsere Nahrungsmittel beziehungsweise die enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, so die Idee hinter dem Ernährungstrend Raw Food, auf Deutsch: Rohkost. Deshalb kommt bei den Anhängern dieser Bewegung nichts auf den Teller, was gekocht wurde. Und das können neben Dingen, die wir traditionell roh essen – also Obst, Gemüse, Nüsse, Sprossen und Samen – eben auch Fleisch, Fisch und Eier sein. Auch Produkte aus Rohmilch sind erlaubt. Auf Kartoffeln, Bohnen oder Rhabarber muss hingegen verzichtet werden. Sie sind ungekocht teilweise auch giftig. Ebenso fehlen traditionell hergestellte Lebensmittel aus Getreide wie Brot auf dem Speiseplan. Positiv an Raw Food ist der hohe Anteil an Obst und Gemüse. Allerdings reagiert bei manchen Menschen die Verdauung empfindlich auf das ungekochte Essen. Und einige wertvolle pflanzliche Inhaltsstoffe werden erst durch Erhitzen so freigesetzt, dass wir sie aufnehmen können. Hinzu kommt: Wer sich roh und vegan ernährt, der riskiert einen Mangel an Eiweiß, Kalzium, Eisen und B-Vitaminen. Wer hingegen auch zu rohen tierischen Produkten greift, der muss besonders auf Frische und Hygiene achten.

Unverarbeitete Lebensmittel: Clean Eating

Frisch, möglichst naturbelassen und gesund: Beim Clean Eating wird der Tisch abwechslungsreich gedeckt. Da trifft viel frisches Gemüse, Obst und Salat aus der Region auf Vollkorn – und Milchprodukte, Fisch, fettarmes Fleisch und Hülsenfrüchte sowie auf hochwertige Fette wie Walnuss- oder Raps-Öl. Nicht Platz nehmen dürfen hingegen Zucker, Süßstoffe, Weißmehlprodukte, Fertiggerichte, hochkalorische Lebensmittel und Zusätze wie Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel, Aroma- oder Farbstoffe. Als Faustregel für cleane Lebensmittel gilt: Sie enthalten nicht mehr als fünf Zutaten. Damit entspricht Clean Eating eigentlich den Regeln einer ausgewogenen Mischkost und kann durchaus auch für Rheumapatienten empfohlen werden. Denn wer bei der Auswahl seiner Lebensmittel auf die Qualität achtet und sie selbst frisch zubereitet, der tut seiner Gesundheit etwas Gutes. Allerdings gibt es für Versprechen wie reinere Haut, weniger Kopfschmerzen, mehr Energie und bessere Konzentrationsfähigkeit keine wissenschaftlichen Beweise.

Fazit: Ob und wie eine bestimmte Ernährungsform bei chronischen Erkrankungen helfen kann, lässt sich nicht so einfach sagen. Generell gilt: Jegliche Auseinandersetzung mit den eigenen Ernährungsgewohnheiten ist ein Schritt in eine neue, vielleicht sogar gesündere Richtung. Sollten Sie Ihre Ernährung ändern wollen, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Rheumatologen oder einem speziell geschulten Ernährungsberater Rücksprache halten.

  • 0
mal gelesen