Verlaufskontrolle beim Rheumatologen; Termin

Verlaufskontrolle bei Rheumatoider Arthritis

Rheumatoide Arthritis
Juvenile idiopathische Arthritis

Bei einer chronischen Erkrankung wie der Rheumatoiden Arthritis ist eine regelmäßige Verlaufskontrolle sehr wichtig. Warum das so ist, darüber hat Rheumahelden mit dem Rheumatologen Dr. med. Peer Aries, von der Rheumatologie im Struenseehaus, Praxisgemeinschaft und akademische Lehrpraxis am UKE Hamburg gesprochen.

Rheumahelden: Warum ist es wichtig, den Verlauf der Rheumatoiden Arthritis zu kontrollieren?

Dr. Aries: Eine regelmäßige Kontrolle der Rheumatoiden Arthritis ist wichtig, weil einerseits regelmäßig überprüft werden sollte, ob die Entzündung noch besteht. Andererseits muss aber auch geschaut werden, ob die aktuelle Medikation noch die richtige ist oder geändert werden kann bzw. muss. Heute wissen wir, dass Patienten langfristig eine deutlich bessere Prognose haben, wenn wir früh und effektiv behandeln. Sollten wir die Entzündung zwar gebessert, aber nicht komplett unter Kontrolle haben, muss die Therapie unter Umständen so angepasst werden, dass der Patient die beste Prognose bekommt, die wir durch die Behandlung erreichen können. Und natürlich möchten wir auch mögliche Nebenwirkungen möglichst früh entdecken, um die Therapie dann verändern zu können.

RH: In welchen zeitlichen Abständen wird der Verlauf kontrolliert? Wie werden diese festgelegt?

Dr. Aries: Generell kann man sagen, dass Kontrollen zu Beginn einer Rheumatoiden Arthritis sicherlich engmaschiger verlaufen sollten als in ihrem weiteren Verlauf. Gerade zu Beginn der Erkrankung ist eine optimale Kontrolle der Krankheitsaktivität von entscheidender Bedeutung, um die Therapie gegebenenfalls kurzfristig anpassen zu können. Die meisten Rheumatologen sehen ihre Patienten sechs bzw. zwölf Wochen nach Beginn einer neuen Therapie. Unter Umständen könnte es aber auch sinnvoll sein, Patienten auch kurzfristiger wiederzusehen, etwa um eine begleitende Kortisontherapie möglichst rasch zu reduzieren. Eine allgemeine Definition der Untersuchungsintervalle gibt es nicht, da diese sowohl von der Erkrankung und der Therapie als natürlich auch vom Patienten selbst abhängig sind. So haben zum Beispiel das Alter des Patienten, Vortherapien, seine Mobilität und die Entfernung zum Rheumatologen sowie das potentielle Risiko der Therapie Einfluss auf die zeitlichen Abstände.

RH: Was genau wird bei den Kontrollterminen untersucht? Welche Verfahren werden dazu genutzt?

Dr. Aries: Für die meisten rheumatologischen Erkrankungen beobachten wir bei diesen regelmäßigen Verlaufskontrollen drei Ebenen. Erstens sprechen wir mit dem Patienten und untersuchen ihn, um mögliche weitere Entzündungen in den Gelenken zu finden. Zweitens erfolgen regelmäßige Blutuntersuchungen, um auch hier nach Entzündungen zu suchen. Gleichzeitig können wir anhand bestimmter Faktoren im Blut eine Prognose über den weiteren Verlauf der Erkrankung stellen. Auch mögliche Nebenwirkungen lassen sich im Blut feststellen. Drittens können wir durch bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder MRT Veränderungen der Gelenke sichtbar machen.

RH: Welche Schlüsse lassen sich aus den Untersuchungen ziehen?

Dr. Aries: Wenn sich auf allen drei Ebenen – also Patient, Blutbild und Bildgebung – keine entzündlichen Veränderungen mehr nachweisen lassen, sprechen wir von einer ausreichenden Kontrolle der Rheumatoiden Arthritis. Und dieses Ergebnis sollte dazu führen, dass wir gemeinsam mit dem Patienten über die weitere Therapie sprechen. Im Gegensatz zu früher geht es dabei immer häufiger auch um eine Therapie-Deeskalation, also eine Reduktion der aktuellen Therapie.

RH: Wie sollten Patienten reagieren, wenn sie zwischen den festgelegten Untersuchungsterminen Beschwerden verspüren?

Dr. Aries: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Es ist ja selten so, dass sich die Rheumatoide Arthritis nach den Terminen beim Rheumatologen richtet. So kommt es immer wieder vor, dass die akute Entzündung kurz nach dem Arztbesuch oder genau zwischen den beiden Terminen auftritt. Nicht selten steht der Patient dann alleine da und hat nur wenige Möglichkeiten, mit seinem Arzt Rücksprache zu halten. Beim nächsten Termin ist die Erinnerung an diese zwischenzeitlich negative Phase aber meist eingeschränkt. Deshalb würde ich zwei Vorgehensweisen vorschlagen: Erstens kann der Patient eine Art Tagebuch führen – zumindest in den Phasen, in denen er Beschwerden hat. Anhand dieser Aufzeichnungen kann er dann den Verlauf mit dem Arzt besprechen. So ein Tagebuch kann der Patient zum Beispiel ganz klassisch in einem Heft oder auch digital mit dem Smartphone und einer App führen. Zweitens sollten Patient und Arzt sich darauf verständigen, was im Fall einer zwischenzeitlichen Zunahme der Krankheitsaktivität unternommen werden kann. Das kann zum Beispiel die kurzfristige Einnahme von Schmerzmitteln oder Kortison sein. Aber auch eine telefonische Rücksprache mit dem Rheumatologen ist möglich.

RH: Welche Rolle kann in diesem Zusammenhang der Hausarzt spielen?

Dr. Aries: Ich halte die Zusammenarbeit zwischen dem Rheumatologen und dem Hausarzt für ganz entscheidend. Rheumatologen sind rar und in der Regel nicht gerade um die Ecke. Der Hausarzt dagegen ist meist nicht nur örtlich näher dran am Patienten. Oft besteht der Kontakt schon lange – man kennt sich. Deshalb kann es sinnvoll sein, mögliche Veränderungen der Gelenke oder der Haut zunächst einmal dem Hausarzt zu zeigen. Er kann dann entscheiden, ob ein sofortiger Termin beim Rheumatologen nötig ist. Außerdem können die Hausärzte uns bei der Kontrolle der Therapien unterstützen, etwa durch regelmäßige Laborkontrollen, um Nebenwirkungen früh zu erkennen. Das spart natürlich auch dem Patienten Zeit und Wege.

RH: Welche Aspekte sind für Sie noch wichtig bei der Verlaufskontrolle bei Rheumatoider Arthritis?

Dr. Aries: Die Verlaufskontrolle bei Rheumatoider Arthritis ist nicht nur dafür da, die Fakten zu checken. Sie sind auch dafür da, Themen rund um die Rheumatoide Arthritis mit den Patienten besprechen. Dabei denke ich zum Beispiel an Familienplanung, Berufswechsel, Ernährung, Reisen, Operationen, Osteoporose, Impfungen oder alternativ-medizinische Ansätze. Ich finde es wichtig, dem Patienten auch immer wieder aufzuzeigen, wie Erkrankung und Therapie weiter verlaufen könnten. Die Patienten sollen nicht das Gefühl haben, dass „einmal Rheuma und einmal Therapie – immer Rheuma und immer Therapie“ bedeutet. Wir sollten die Therapie immer an die aktuelle Situation anpassen. Das kann zwar manchmal bedeuten, dass sie intensiviert werden muss. Es kann aber auch bedeuten, die Therapie zu reduzieren oder sogar zu beenden.

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