zwei Finger mit draufgemalten Gesichtern

Mein Umgang mit Rheuma

Beitrag vom 8. November 2013 | Bärbel

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Miteinander

Es gibt Zeiten, da fühle ich mich gut. Die RA (rheumatoide Arthritis) ist zwar nicht weg, aber sie hält sich dezent im Hintergrund und lässt mich in Ruhe. Das sind die Tage, an denen es mir nicht nur körperlich gut geht, ich bin auch innerlich stark und heldenhaft, denn ich stelle mich mit Mut der Aufgabe „Rheuma“. Ich bin zwar krank, aber ich kann damit umgehen. Alles ist gut. Dann fühle ich mich wirklich ein bisschen, wie „Supergirl“, weil ich mich trotz meiner Erkrankung stark fühlen kann.

Doch dann gibt es Tage, da wache ich morgens auf und das Knie oder die Finger sind dick geschwollen und schmerzhaft. Da wird der Held in mir stark gefordert. Ist es dann noch ein Tag, an dem ich viel vorhabe. Dann ist es schwer. Dann kommt auch schon mal die Wut hoch. Dann liege ich im Bett und weine so ganz und gar nicht heldenhaft. Dann wird mir alles zu viel. Dann hämmert in meinem Kopf: Warum ich? Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr krank sein! Da bin ich wirklich das komplette Gegenteil von „Supergirl“. Es ist dieser Wechsel, der mir sehr zu schaffen macht. Manchmal wünschte ich mir, es wäre gleichbleibend schlecht, dann könnte ich mich darauf einstellen.

Aber nein, gute Zeiten wechseln mit schlechten Zeiten. Mal ist das Knie und mal die Hände oder das Handgelenk. Ganz schwer wird es für mich, wenn ein Gelenk auf einmal schmerzt, das vorher noch nie geschwollen war. Dann brauche ich ein wenig mehr Zeit, bis ich den Kopf wieder hoch halten kann. Dann muss ich all meine Unerschrockenheit und meinen Mut zusammensuchen und kämpfen. Das sind die Tage, an denen ich mir ganz bewusst Gutes tue, damit es mit meiner Stimmung wieder aufwärts geht. Ich backe sehr gerne. Das entspannt mich. Ich muss dem Rezept folgen, abwiegen und rühren, das lenkt mich von den trüben Gedanken ab und hilft mir meinen Kopf wieder zu entspannen. Ist es so schlimm, dass selbst in der Küche zu stehen zu anstrengend für mich ist, dann lege ich mich ins Bett und folge einer Yoga Nidra Übung. Das sind Sachen, die mir helfen. Aber leider auch nicht immer.

Hat jemand andere Tipps, die bei schlechten Tagen helfen können?

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4 Kommentare

  • Caropk. | |

    Einen DVD-Abend mit guten Freunden und all das an essen worauf man Lust hat:)

  • Bärbel | |

    Gute Idee! Das probiere ich mal aus. 🙂 Klingt so als könnte mir das auch gut tun.

  • Molly | |

    Mir hilft dann eine feste Routine:berufsbedingt stehe ich jeden Morgen früh auf,eine halbe Stunde eher als es eigentlich sein müsste.Bevor die Kinder zum Frühstück kommen,genieße ich meine erste Tasse Tee,ganz für mich alleine,mit Musik aus dem Radio und ansonsten Stille im Haus. Ich versuche, meinen Tagen einen festen Rhythmus aus Arbeit und Erholungszeiten zu geben, denn zuviel Unvorhergesehenes bringt Stress und damit schlechte Zeiten für meinen Körper.Ganz lässt es sich natürlich nicht vermeiden,aber die Regelmäßigkeit lässt mich nicht so sehr im “heulenden Elend” versinken.

  • Bärbel | |

    Das finde ich sehr interessant, dass du das so beschreibst. Mir geht es oft ähnlich. Ein fester Tagesablauf tut mir auch sehr gut. So weiß ich (meistens), wann ich meine Pausen machen, wie stark ich mich belasten kann und zu welchen Zeiten ich meine Medikamente einnehmen muss. Das Unvorhergesehene stresst mich auch, so wie beispielsweise am Wochenende. Ich war auf der Hochzeit einer alten Freundin eingeladen. Wir wurden alle gebeten mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, da der Ort der Feier nur einen kurzen Fussweg von einer Straßenbahnstation entfernt war. Doch ein kurzer Weg ist für ein gesunden Menschen oft viel länger als für jemanden wie mich, der zwei entzündete Kniegelenke hat. Wie lang wird der Weg wohl sein? Wie steil ist der Weg? Ist es ein geteerter Weg oder ein Weg mit Kiessteinen, der für mich sehr schwer zu laufen ist? Was mache ich, wenn ich den Weg nicht ganz schaffe? Ich komme mir oft so blöd vor und übervorsichtig, aber solche Fragen sind in meinem Kopf und das nervt mich. Ich habe es aber in diesem Fall sogar selbst bemerkt, dass ich mich deswegen stressen. Dann stand ich also vor der Entscheidung, entweder Taxi oder ich versuche es. Ich habe es versucht. Es war anstrengend, aber ich habe es geschafft und das war auch wichtig für mich zu sehen, dass ich es kann. Manchmal muss ich aber auch die Niederlage einstecken und gestehen, dass ich so manches eben nicht kann – aber nur manches. Manchmal ist es für mich auch wichtig, mein Rheuma herauszufordern und zu sehen, was ich trotzdem kann und das ist oft mehr als ich vermute. Daran erinnere ich mich dann an den schlechten Tagen und das gibt mir Kraft.

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