Die Behandlung der Riesenzellarteriitis

Die Therapie von Rheuma - Rheuma gezielt behandeln

Bei vielen rheumatischen Erkrankungen – und damit auch bei der Riesenzellarteriitis – ist ein rascher Therapiebeginn entscheidend für den Verlauf der Erkrankung. Deshalb sollte der behandelnde Arzt die Behandlung der Riesenzellarteriitis mit dem Patienten besprechen und einen individuellen Therapieplan erstellen.

Glucocorticoide – wie wirken sie bei RZA?

Die Riesenzellarteriitis entsteht durch ein fehlgeleitetes Immunsystem. Deshalb setzt hier auch die Therapie an. Das körpereigene Hormon Cortisol aus der Gruppe der Glucocorticoide dämpft Immunreaktionen und lindert Entzündungen. Deswegen setzt man Glucocorticoide, auch einfach als „Kortison“ bezeichnet, in der Therapie ein. Genau wie Cortisol sorgen sie unter anderem dafür, dass weniger Abwehrzellen gebildet werden und die Entzündungsreaktionen in den Arterien zurückgehen. Andererseits hemmen sie die Produktion von Botenstoffen (Zytokinen) und unterbinden so schon die Entstehung der Entzündungen.

Kortison – schnelle Hilfe

Zu Beginn der Therapie bekommt der Patient meist eine hohe Dosis Kortison, die der Arzt an das Gewicht des Patienten anpasst. Schlägt die Therapie gut an, können sich die Symptome meist nach 24 bis 48 Stunden bessern. Nach einer gewissen Zeit beginnt man die Medikamentendosis zu reduzieren; das nennt der Mediziner auch „ausschleichen“. Während des Ausschleichens erhält der Patient dann im weiteren Verlauf eine stetig reduzierte Dosis. Am Ende ist der Patient zwar nicht geheilt, idealerweise aber auch ohne Glucocorticoide beschwerdefrei.

Möglicherweise verschreibt der Arzt bei der Behandlung der Riesenzellarteriitis eine Begleittherapie. Diese soll die Durchblutung der Gefäße verbessern. Zusätzlich erhalten viele Patienten Medikamente zur Vorbeugung gegen Osteoporose; denn Glucocorticoide können in hohen Dosen zu Nebenwirkungen führen.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sollten die Behandlung der Riesenzellarteriitis unbedingt begleiten. So kann der Arzt  den Verlauf der Erkrankung und mögliche Nebenwirkungen im Blick haben. Einerseits erleichtern diese Untersuchungen die Einstellung der Therapiedosis. Andererseits kann der Arzt schon bei den ersten Anzeichen von Nebenwirkungen reagieren. Diese können Osteoporose, Bluthochdruck, Diabetes, Infektionen, Gewichtszunahme und depressive Verstimmung umfassen. Deshalb kontrolliert der Arzt regelmäßig Blutdruck, Blutzucker und Gewicht des Patienten. Außerdem überprüft er im Gespräch, ob der Patient unter depressiven Verstimmungen leidet.

Entzündungen gezielt hemmen

Wegen der möglichen Nebenwirkungen, gerade bei hohen Dosen von Glucocorticoiden, versucht man die Medikamente sparsam einzusetzen. Damit Patienten also nicht dauerhaft Kortison einnehmen müssen, suchten Forscher intensiv nach alternativen Therapien. Da die RZA aufgrund von fehlerhaften Prozessen des Immunsystems entsteht, konzentrierte man sich auf die Erforschung dieser Prozesse. Daraus entstand ein spezieller Wirkstoff, ein sogenanntes Biologikum, der die Entzündungen der Blutgefäße vermindert. Tocilizumab gehört zur Gruppe der Immunsuppressiva und unterdrückt damit bestimmte Funktionen des Immunsystems. Es ist die einzige zugelassene Therapieoption bei Riesenzellarteriitis. Die Forscher entdeckten, dass ein Botenstoff des Immunsystems, das Interleukin-6 (IL-6) bei der Entwicklung von Entzündungen eine wichtige Rolle spielt: Indem es an den passenden Rezeptor, den sogenannten IL-6-Rezeptor bindet, löst es Entzündungen aus oder erhält sie aufrecht. Indem der Botenstoff daran gehindert wird an den Rezeptor zu binden, lässt sich also die Entstehung oder Ausbreitung entzündlicher Prozesse verhindern.

Eine neue Therapieoption bei Riesenzellarteriitis

Der Antikörper Tocilizumab blockiert gezielt den Rezeptor und unterbricht somit den Entzündungsprozess. Dadurch können Entzündungen in den Arterien effektiv vermindert oder bestenfalls gestoppt werden. Zu Beginn der RZA-Therapie erhalten Patienten Tocilizumab gemeinsam mit dem Kortison. Durch den Wirkstoff kann die nötige Kortisondosis allerdings während des Therapieverlaufes verringert oder das Kortison sogar vollständig ausgeschlichen werden. Tocilizumab kann dann auch als einzige Therapie (Monotherapie) bei RZA angewendet werden. Patienten können sich den Wirkstoff selbstständig zuhause subkutan, also unter die Haut, verabreichen. Die Wirkung tritt meist nach einigen Tagen ein, da er langsamer wirkt als Kortison. Der behandelnde Arzt überprüft regelmäßig die Wirksamkeit der Therapie und den Zustand der befallenen Arterien. So kann er bei Verschlechterungen oder Nebenwirkungen sofort mit einer Anpassung der Therapie reagieren.

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