Gesunde Ernährung mit Superfood

Superfood – supergut für Rheumapatienten?

Geschmackssache

Chia, Goji, Açaí, Weizengras oder Matcha – exotische Samen, Früchte, Beeren, Getreidesorten, aber auch Tees liegen derzeit im Trend. Superfood füllt die Regale in Reformhäusern, Bioläden und in immer mehr Supermärkten. Und soll uns zum Beispiel als besondere Zutat in Müslis, Smoothies oder Brot sowie in Form von Kapseln oder Pulver zu mehr Gesundheit, Vitalität und Schönheit verhelfen. Betont wird in diesem Zusammenhang vor allem das antioxidative Potential, also wie gut die enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe unseren Körper vor sogenannten freien Radikalen schützen. Diese können Zellschäden hervorrufen und den Alterungsprozess sowie die Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie beispielsweise Diabetes mellitus Typ 2 beschleunigen. Doch ist dieses Superfood auch supergut für Rheumapatienten und (ent)halten die Exoten auch, was sie versprechen?

Zunächst einmal ist Superfood kein geschützter Begriff. Es kann also praktisch jedes Lebensmittel so bezeichnet werden. Und: Es gibt keine wissenschaftlichen Daten, die die oft angepriesenen vorbeugenden oder sogar heilenden Wirkungen belegen. Stattdessen stammen die meisten gesundheitsbezogenen Aussagen laut Stiftung Warentest von gewerblichen Anbietern – und weichen teilweise stark voneinander ab. Außerdem gibt es für die Aufnahme von sekundären Pflanzenstoffen keine sogenannten Referenzmengen, das heißt, es ist gar nicht klar, ob „viel“ auch wirklich immer gut für den Körper ist.

Dies gilt umso mehr, wenn eine chronische rheumatische Erkrankung vorliegt. Unter Umständen kann es zu Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten kommen. Ähnlich wie Grapefruits kann zum Beispiel auch der Granatapfel die Abbaugeschwindigkeit von manchen Arzneimitteln im Körper verändern. Und bei Chia-Samen gilt derzeit die Empfehlung von maximal 15 Gramm am Tag – das entspricht circa 2 Esslöffeln.

Es muss nicht exotisch sein

Aber auch heimische Lebensmittel sind eine Alternative, wenn es darum geht, sich ausgewogener und damit gesünder zu ernähren. Heidel- oder Brombeeren, aber auch Kirschen, Trauben und Rotkohl stehen Açaí-Beeren in puncto Anthocyan-Gehalt in nichts nach. Diesen Pflanzenstoffen wird eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Und die derzeit besonders gefragten Chia-Samen enthalten zwar in der Tat sehr viele Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren, sind damit aber den heimischen Leinsamen sehr ähnlich. Omega-3-Fettsäuren können die Entzündungsaktivität im Körper mindern und wirken im Stoffwechsel als Gegenspieler der Arachidonsäure, die Entzündungen fördert und vor allem in Fleisch, Eiern und fettreichen Milchprodukten enthalten ist.

Vorteile der Produkte aus heimischem Anbau: Sie sind günstiger und es sind weder lange Transportwege noch unter Umständen fragwürdige Anbaubedingungen nötig. Hinzu kommt, das Lebensmitteln vor allem aus Fernost häufig mit giftigen Rückständen belastet sind.

Egal, ob aus fernen Ländern oder vom heimischen Feld – eines haben die vermeintlichen Superfoods gemeinsam: In Kombination mit anderen Lebensmitteln können sie durchaus zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen. Nur für sich allein gegessen ist kein Nahrungsmittel wirklich gesund.

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