Ein Arm mit Tätowierung

Rheuma und meine wahre Liebe

Beitrag vom 21. Dezember 2014 | Caro

Blog
Miteinander

An Rheumatismus und wahre Liebe glaubt man erst, wenn man davon befallen ist.

Wenn ich heute jemanden erzähle was ich habe, sage ich immer ,,Ich bin teilzeit-behindert“ (und nehme es mit Humor). Ich heiße Caroline, bin fast 22 Jahre alt und vor 2 1/2 Jahren fand ich beides, Rheumatismus und die wahre Liebe.

Sich damit abzufinden krank zu sein, fing erst an, als bei mir endlich die Medikamente anfingen zu wirken und ich wieder eine Lebensqualität für mich entdeckt hatte. Menschen in meinen Alter, wissen einfach nicht (ich wusste es selbst auch nicht), dass rheumatische Erkrankungen in jedem Alter auftreten können und so war ich in täglicher Dauerschleife lange damit beschäftigt zu erklären, was ich habe und wie ich mich fühle. Aber auch nach ausführlicher Erklärung war meist nur wenig Verständnis vorhanden und oft fragten mich Freunde direkt anschließend, ob ich nicht Lust habe, spontan wegzugehen und Party zu machen. Leider war das zu dem Zeitpunkt nicht möglich. Meine Füße waren steif vor Schmerzen. Ich hatte Tage, an denen ich es gerade so zur Toilette geschafft habe. Das alles war für mich eine große Enttäuschung und seitdem spreche ich über meine Erkrankung erst dann ausführlicher, wenn ich das Gefühl habe, mein gegenüber nimmt mich ernst und akzeptiert mich.

Bis heute haben es dennoch so einige nicht wirklich verstanden, was ich habe und dass Rheuma nicht nur die ältere Generation betreffen kann. Das wird immer wieder dann deutlich, wenn ein Satz fällt wie: „Ach ja, meine Oma hat das auch!“ Ich trinke auch gar nicht gerne Alkohol, was bei vielen in meinem Alter schon für große Augen sorgt und auch die Medikamente sind für mich ein zusätzlicher Grund keinen Alkohol zu trinken. Bei dem Thema werde ich schnell sauer und daran wird es für mich immer wieder deutlich, wie schwer es manchmal ist, dass Personen meine Erkrankung/ meinen Standpunkt einfach hinnehmen und akzeptieren.

Meine Familie will bis heute nicht wahr haben, dass ich Rheuma habe aber sie können mittlerweile immer besser damit umgehen. Als alles angefangen hat und bis letztendlich die Diagnose kam, ging es meiner Mutter damit ziemlich schlecht. Das eigene Kind chronisch krank, das fällt ihr bis heute noch schwer zu glauben. Aber mittlerweile sieht sie, wie gut es mir wieder geht. Allerdings erzähle ich ihr auch nicht mehr so viel davon. Ich vermeide es lieber, ihr große Sorgen zu bereiten. Trotz all dem fragt mich meine Familie regelmäßig, wie es mir geht, wie meine Blutwerte sind, was meine Ärztin sagt oder ob das mit den Spritzen alles funktioniert.

Zur gleichen Zeit, fand ich meine jetzige Beziehung. Wäre diese Person in der ganzen Zeit nicht an meiner Seite gewesen und hätte mir nicht so viel Mut und Kraft geschenkt, ich wüsste nicht, ob mich die ganze Situation psychisch nicht noch stärker mitgenommen hätte. Zurzeit bin ich größtenteils beschwerdefrei und lasse meiner Erkrankung keinen Platz in meinem Leben. Sollten mal wieder schlechte Zeiten kommen, hab ich etwas, was mich daran erinnert, wie gut es mir doch eigentlich geht. Mein Tattoo (Foto) steht für diese Zeit und meine Erkrankung, nämlich dass ich positiv denken soll, falls mal wieder ein schlimmer Schub kommen sollte.

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1 Kommentar

  • hyrax | |

    Genauso erging es mir auch…… ich meine mit der Ignoranz von vermeintlich guten Freunden. Einerseits das Argument “meine Oma hat das auch” und im gleichen Atemzug “wir gehen doch am Wochenende zusammen tanzen” oder ähnlich. Wahrscheinlich ist es wie mit dem blind geborenen, dem man eine Farbe erklärt (?). Ich freue mich für Dich, dass Du eine gute Bdeziehung hast. Bei mir fing die FA mit allerheftigsten Schmerzen und Bewegungseinschränkungen 1992 an. Bis die Diagnose feststand, war es 1993 (ich war damals 43 Jahre alt und mit einem viel älteren Witwer mit zwei Kindern verheiratet). Diese Ehe kostete mich unheimlich viel Kraft. Wegen der vielen Arbeit und der Schmerzen hatte ich mein Lachen/Lächeln verloren. Als mein Mann von der Diagnose hörte, ließ er sich für einige Monate nach Asien versetzen.
    Als er wieder zurück nach Deutschland kam, sagte er mir, dass er sein Leben nochmal genießen wolle und nicht noch eine Ersatzfrau ertragen könne, die ebenfalls (wie seine erste Frau) krank sei. Wenn ich damals nicht meine Arbeit bei einer Bank gehabt hätte, wäre ich verzweifelt. Seit 2004 bin ich geschieden und habe mir mein Leben als Single eingerichtet. Das Basisvertrauen in Andere ist seitdem dahin. Dennoch suche ich mir jeden ! Tag wenigstens eine Kleinigkeit, die mich positiv gestimmt hat. Man wird ja so dankbar. Allen Leidensgenossen wünsche ich schmerzfreie und angenehme Feiertage ohne den – leider angesagten – Stress. Es muss doch an Weihnachten nicht immer der “umzingelte Wahnsinn”
    betrieben werden.

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