Gastbloggerin Gertrud und ihr Ehemann Josef bei ihrer goldenen Hochzeit - Rheumaheldin im Alltag - Rheumahelden

Rheumaheldin im Alltag

Mein Name ist Gertrud, ich bin 78 Jahre alt und komme aus dem schönen Aichach in Bayern. Da ich selbst so gerne die RHEUMAHELDEN verfolge, freue ich mich, heute etwas von meinem Alltag mit Rheumatoider Arthtritis berichten zu können.

Ich war eigentlich immer in Bewegung, mein ganzes Leben lang hatte ich Sport getrieben, früher war ich sogar Leistungsturnerin. Aber irgendwann nach meinem 70. Geburtstag begann ich, mich unwohl zu fühlen. Ich wurde von Monat zu Monat kraftloser, mein Gewicht sank von 48 auf nur noch 40 Kilogramm, ich war müde, hatte kaum noch Appetit und hinzu kamen diese Schmerzen, die immer stärker wurden. Irgendwann war ich nur noch erschöpft. Dennoch glaubte niemand, auch ich selbst nicht, dass 2012 mein Weg mit Rheumatoider Arthtritis beginnen würde.

Der lange Weg zur Diagnose

Mein Hausarzt überwies mich nach etlichen anderen Untersuchungen zum Rheumatologen und sagte mir damals, es könne mit einem Termin jedoch bis zu einem halben Jahr dauern. Als ich ihm erwiderte, dass ich nicht mehr glaubte, noch ein weiteres halbes Jahr durchzuhalten, wurde mir ein kurzfristigerer Termin ermöglicht. Nach Monaten der Ungewissheit stellte der Facharzt dann ziemlich schnell Rheumatoide Arthritis fest und ich muss sagen: Mein erstes Gefühl war Erleichterung! Endlich wusste ich, was ich habe und dass ich tatsächlich krank bin. Ich wusste, auf eine Diagnose kann nun eine Therapie folgen und ab jetzt kann es bergauf gehen. Dennoch dauerte es weitere sechs Jahre, bis ich mich wirklich gut eingestellt fühlte in meiner Rheumatherapie.

Kleine und große Stützen im Alltag

Der Bewegung blieb ich in all der Zeit treu. Ich lebe mit meinem Mann in unserem Haus, wir haben drei Kinder großgezogen und ich führe, zusammen mit einer Putzhilfe, noch den Haushalt oder erledige die Einkäufe. Außerdem liebe ich Radfahren und Schwimmen. Man muss sich zu helfen wissen, auch beim Thema Bewegung. Für das Fahrradfahren trage ich Handschuhe, die meine Daumengelenke stabilisieren. Beim Schwimmen nutze ich ein Styroporbrett für meine Arme, das entlastet mich sehr. Bei mir sind Arme und Hände am stärksten betroffen und auch im Alltag nutze ich Schlüsselhilfen oder Schuhlöffel. Natürlich sind mein Mann und meine Familie meine größte Stütze. Trotz seiner 84 Jahre ist mein Mann noch gesund und rüstig und wir können unser Leben gut zusammen meistern. Auch einige Freunde begleiten mich seit Lebzeiten. Ich bin zwar nicht der Typ fürs Jammern, aber hin und wieder kann ich auch mit ihnen ein offenes Gespräch führen.

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Die Erkrankung annehmen

Um mein Leben mit Rheuma positiv zu erleben, hat es mir geholfen, die Erkrankung anzunehmen. Ich weiß innerlich: „Es hätte noch viel schlimmer kommen können.“ So akzeptiere ich, dass es in meinem Fall eben das Rheuma ist, dem ich mich stellen muss. Hier helfen mir auch sehr mein Glaube und mein Gottvertrauen. Manchmal suche ich auch die Stille, Momente nur für mich selbst. Ich liebe die Oper und das Theater. Dies sind meine Kraftquellen.

Ich kann auch anderen Menschen mit Rheuma nur wünschen, dass sie sich ihre Kraft und Gelassenheit trotz der Erkrankung bewahren. Und natürlich, dass sie in guten ärztlichen Händen sind, um auch mit Rheuma weiterhin Freude am Leben zu haben. Es lohnt sich, zu kämpfen und nicht aufzugeben.