Physikalische Therapie bei Rheuma; Mann mit Elektroden

Wie ein bisschen Physik bei Rheuma helfen kann

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Wärme, Kälte, Strom – physikalische Größen spielen in der Therapie von rheumatischen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Die zahlreichen Therapieformen, die mit diesen Mitteln arbeiten, werden unter dem Begriff „physikalische Therapie“ zusammengefasst. Sie soll entspannend wirken, die Durchblutung fördern, die Beweglichkeit verbessern und Entzündungen in den Gelenken eindämmen. So kann die physikalische Therapie dazu beitragen, Schmerzen zu lindern und den Bedarf an Medikamenten senken.

Neue Studienergebnisse

Dass physikalisch-therapeutische Maßnahmen tatsächlich positive Auswirkungen auf die Behandlung von RA haben, zeigt eine neue Studie, die im letzten Monat auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Frankfurt vorgestellt wurde. Bei Patienten mit RA und Morbus Bechterew konnte beispielsweise auch noch bis zu drei Monate nach Therapieende bei mehr als 80 Prozent der Patienten eine Reduktion der Schmerzen und des Schmerzmittelbedarfes durch eine Art niedrigdosierte Radon-Strahlentherapie erreicht werden.

Grundsätzlich sei laut der Studien wichtig: Je akuter ein Krankheitsprozess, desto vorsichtiger die Therapiedosierung. Die physikalisch-medizinischen Maßnahmen seien als eigenständige Behandlungsform anzusehen, sodass auch sie nicht für alle Patienten gleichermaßen infrage kämen. Außerdem sollten die Anwendungen ebenso wie die medikamentöse Therapie überwacht und der Krankheitsaktivität angepasst werden.

Kälte- und Wärmeanwendungen

Bei der Thermotherapie wird zwischen Kälte- und Wärmeanwendungen unterschieden. Auch wenn das akut entzündete Gelenk in der Regel positiv auf Kälte reagiert und sich eine chronische Entzündung durch Wärmeanwendungen bessert, sollten Sie auf Ihren Körper hören. Sie werden ein Gespür dafür entwickeln, was Ihnen wann am besten hilft.

Die Kältetherapie kann einerseits unmittelbar am betroffenen Gelenk erfolgen– mit speziellen Kühlgels, Eiswasser oder Kaltluft. Andererseits ist auch eine Ganzkörper-Anwendung in einer Kältekammer möglich. Der Effekt ist bei beiden Formen gleich: Schmerzbahnen werden blockiert und Entzündungen gehemmt. Das lokale Zuführen von Kälte hilft vor allem in akuten Phasen der Gelenkentzündung, während der Aufenthalt in der Kältekammer die Bewegungsfähigkeit des gesamten Körpers verbessert: Ein Aufenthalt von 1 bis 3 Minuten bei bis zu -110 °C dämpft das Schmerzempfinden. Danach fällt vielen Patienten eine anschließende Bewegungstherapie leichter.

Auch die Wärmetherapie kann lokal oder am ganzen Körper zum Einsatz kommen. Heiße Umschläge, Moor- oder Fangopackungen können auf schmerzende Gelenke gelegt werden, während Saunagänge, Sole- oder Moorbäder den gesamten Organismus mit Wärme versorgen. Beide Arten der Wärmetherapie fördern die Durchblutung und Regenerationsprozesse. Darüber hinaus wirkt Wärme entspannend.

Elektrische Ströme

Bei der Elektrotherapie werden verschiedene Arten elektrischer Ströme genutzt, um die Organfunktionen zu beeinflussen. Die Ströme lassen sich grob in drei Bereiche unterteilen:

  • Gleichstrom und niederfrequenter Wechselstrom: Die verwendeten Ströme lindern Schmerzen und fördern die Durchblutung. Der niederfrequente Wechselstrom wird auch als Reizstrom-Therapie bezeichnet.
  • Mittelfrequenter Wechselstrom: Die erzielten Ergebnisse der Mittelfrequenztherapie entsprechen denen der Niederfrequenztherapie. Zusätzlich kann durch die Anwendung unterschiedlicher mittelfrequenter Ströme die Muskelspannung erhöht und damit die Muskeln angeregt, gestärkt und gekräftigt werden. Somit kann einem Abbau dieser Muskeln entgegengewirkt werden.
  • Hochfrequenter Wechselstrom: Dieser wirkt auf den Körper wie eine Wärmetherapie und soll auch die Durchblutung der Muskeln fördern und die Schmerzen lindern. Das Besondere an den hochfrequenten Strömen ist die Tiefenerwärmung des Gewebes.

Auch wenn Sie einige dieser Anwendungen mit einfachen Mitteln durchaus selbst durchführen können: Halten Sie vorher immer Rücksprache mit Ihrem Rheumatologen, ob und in welcher Form diese Art der physikalischen Therapie bei Ihnen empfehlenswert ist!

Quelle: Wer rastet, der rostet – neue Studienergebnisse zur Wirkung der physikalischen Therapie bei Rheuma. Medscape. 05. Sep 2016.

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