Pro und Kontra-Liste

Mein Schwerbehindertenausweis

Beitrag vom 3. März 2014 | Bärbel

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Im Job

Was fällt dir zu dem Thema Schwerbehindertenausweis ein? Hat dir der Ausweis Vorteile gebracht? Hast du negative Erfahrungen machen müssen? Ich habe sehr lange gebraucht bis ich mich mit diesem Thema beschäftigen konnte und einen entsprechenden Antrag gestellt habe. Ich habe einen Grad der Behinderung (GdB) von 60 und der Ausweis hat mir eine Reihe finanzieller Vorteile gebracht. Aber bei meinem letzten Arbeitgeber musste ich leider auch negative Erfahrungen machen.

Aber zuerst etwas mehr über die Vorteile: Ab einem Grad der Behinderung von 25 gibt es Steuerfreibeträge, deren Höhe abhängig vom Grad der Behinderung sind. Außerdem gibt es für Schwerbehinderte (GdB von 50 und mehr) finanzielle Unterstützung beim Kauf eines Autos und dem Erwerb der Fahrerlaubnis (hängt von der Höhe des Einkommens ab), sowie einkommensunabhängige Unterstützung für Arbeitshilfen wie ergonomische Arbeitsplatzausstattung. Wenn die Schwerbehinderung beim Arbeitgeber angegeben wird, stehst du unter einem besonderen Kündigungsschutz und bekommst eine Arbeitswoche mehr Urlaub.

Ich hatte trotzdem lange Zeit Probleme mit dem Thema Schwerbehinderung und vor allem dem Wort „schwerbehindert“. Ich und schwerbehindert? Ich bin krank und fühle mich krank, aber nicht behindert. Ich weiß nicht, ob du das nachvollziehen kannst, aber für mich war das schwer, mich damit zu beschäftigen. Es war so ein Stempel, gegen den ich mich gewehrt habe.

Was war der Auslöser, dass ich trotzdem einen Antrag gestellt habe? Ich habe für die jährliche Steuererklärung aufgelistet, welche Ausgaben ich im Jahr im Zusammenhang mit meiner rheumatoiden Arthritis habe. Rezeptgebühren, Einlagen, Kosten für Hilfsmittel, da kam so einiges zusammen. Für mich war der Steuerfreibetrag ein Ausgleich dafür. Außerdem war es für mich wichtig, mich endlich meiner Erkrankung zu stellen und den Antrag auf Schwerbehinderung zu stellen, war ein Schritt in diese Richtung. Es hat dann noch einige Zeit gedauert bis ich soweit war, dass ich meine Schwerbehinderung auch meinem Arbeitgeber mitgeteilt habe. Übrigens, du bist nicht verpflichtet deinem Arbeitgeber mitzuteilen, dass du schwerbehindert bist. Du hast sogar ein sogenanntes „Recht zur Lüge“, wenn du gefragt wirst. Voraussetzung ist jedoch, dass deine Schwerbehinderung deine Arbeitsleistung nicht gefährdet. Wichtig zu wissen, ist meiner Meinung nach, dass – auch wenn Arbeitgeber nach dem SGB IX §71 verpflichtet sind schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen – der Umgang im Unternehmen unterschiedlich ist. Es gibt Unternehmen, die einen positiven Umgang mit schwerbehinderten Arbeitnehmern haben. Ich habe leider keine guten Erfahrungen gemacht. Mein damaliger Arbeitgeber hat mit Unverständnis reagiert. Am Schlimmsten war meine direkte Vorgesetzte. Eine sehr unschöne Situation damals. Es ging mir in dieser Zeit körperlich schlecht und ich hatte einfach nicht die Kraft für meine Rechte zu kämpfen. Ich bin dann „freiwillig“ gegangen. Es gibt sicherlich auch positive Beispiele. Ich kann nur dazu raten, sorgfältig zu überlegen, wie offen du am Arbeitsplatz mit deiner Erkrankung und Schwerbehinderung umgehen möchtest. Welchen Rat hast du für andere?

Mehr zum Thema Schwerbehindertenausweis und wo du einen entsprechenden Antrag stellen kannst, findest du hier.

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2 Kommentare

  • Bone | |

    Zur Zeit besitze ich einen GdB von 70%. Diesen habe ich in meiner berufstätigen Zeit bis heute erhalten. Mir ist unklar, ob es richtig ist zu erwägen, eine Schwerbehinderung beim Arbeitgeber zu verschweigen. Ein wenig habe ich das Gefühl, dann den schwarzen Peter in der Tasche zu haben und irgendwann zuschieben zu dürfen!
    Mein Argument war bis jetzt immer, dass Ehrlichkeit weiter führt.
    Aber so war es leider letztendlich bei mir auch nicht. Man stößt bei den Mitarbeitern und auch beim Arbeitgeber auf Wiederstände.
    Oft habe ich, aufgrund meiner Krankheit, fehlen müssen. Schübe oder eine OP mit Reha waren dafür Gründe. Somit kann man dann auch natürlich von einer Beinträchtigung der Arbeitskraft sprechen. (Interessant wäre, was Arbeitsgerichte dazu sagen). Da wurden dann dumme Bemerkungen gemacht, auch z.B. beim Extraurlaub. Wenn man länger gefehlt hat und dann die Mitarbeiter deine Arbeit mit erledigen mußten, führt das auch nicht unbedingt zu einem entspannten Arbeitsverhältnis.

    LG
    Bone

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