Bloggerin Elke und ihre Freundin Sabine - Wiedersehen nach Jahren

Ein Wiedersehen nach Jahren

Plötzlich in der Thomaskirche

Meine langjährige Freundin Agnes wohnt in einer anderen Stadt, weit weg von Berlin. Wenn mein Mann mit seinem Freund wieder eine mehrtägige Radtour macht, lade ich meine Freundin ein und wir machen Berlin oder auch, wie dieses Mal, Leipzig unsicher. Mit dem Zug ging es am Vormittag in einer Stunde nach Leipzig. Nach dem Einchecken im Hotel war noch genügend Zeit die Altstadt von Leipzig zu Fuß zu erkunden. In der Nähe befindet sich die Nikolaikirche (Leipzig 1989 – Wir sind das Volk) und die Thomaskirche (Thomaner Chor). Wir hatten eine Außentemperatur von + 34 Grad; für viele Rheuma-Patienten, also auch für mich, eine angenehme Temperatur. Trotzdem kam uns der Besuch der Kirchen mit ihrer Kühle gerade recht. In der Thomaskirche setzten wir uns auf eine Bank, betrachteten den Innenraum der Kirche und lasen im Stadtführer. Eine kleine Reisegruppe gesellte sich mit dem Reiseleiter zu uns. Bei dem näheren Betrachten der einzelnen Teilnehmer fiel mir plötzlich eine Dame auf, die mich an frühere Zeiten erinnerte.

Das ist doch Sabine aus dem Lette -Verein

Plötzlich fiel es mir ein. Meine erste Ausbildung in Mode und Modeillustration habe ich von 1968 bis 1970 im Lette-Verein in Berlin absolviert. Sie war eine Mitschülerin. Ihr Name ist Sabine. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich teilte es meiner Freundin leise mit und bat sie gleichzeitig um Rat, ob und wie ich meine ehemalige Mitschülerin nach so langer Zeit ansprechen soll. Ich war mir immer noch unsicher, ob sie das auch wirklich ist. Meine Freundin riet mir, wenn der Reiseleiter mit seinen Erklärungen fertig ist, sofort auf sie zu zugehen und sie anzusprechen. Ich habe allen Mut zusammengenommen, ging zu ihr und sagte: Guten Tag, ich bin Elke aus Berlin … in dem Moment erkannte sie mich auch und wir lagen uns minutenlang in den Armen.

Eine alte, neue Freundschaft war wieder geboren

Vor genau 50 Jahren haben wir gemeinsam unsere Ausbildung begonnen und uns nun nach 48 Jahren in der geschichtsträchtigen Thomaskirche in Leipzig wieder getroffen. Wir waren beide überwältigt und können es bis heute immer noch nicht fassen. Am selben Abend haben wir uns bei sommerlichen Temperaturen im Weinlokal am Markt in Leipzig ein zweites Mal getroffen und uns über unsere jeweiligen Leben unterhalten. Ich erzählte ihr u.a., dass man bei mir 2008 Rheuma festgestellt hat und dass ich damit sehr gut zurechtkomme. Sie hat mich nicht bedauert, sondern meinte, dass man mir das überhaupt nicht anmerkt. Die Zeit, um über ein halbes Leben zu erzählen, hat natürlich nicht ausgereicht. Sie lebt seit vielen Jahren wieder in Braunschweig und ist oft in Berlin. Wir werden uns also jetzt öfter sehen. Ich bin beeindruckt. An Rheuma war bei diesem Erlebnis nicht mehr zu denken …

Langjährige Freundschaften helfen bei einer chronischen Erkrankung

Ich habe fünf sehr gute Freundinnen, die ich seit 56 bzw. 40 Jahren kenne. Darauf bin ich unheimlich stolz. Denn Freundschaften so lange zu pflegen und durch Dick und Dünn zu gehen, bedeutet sehr viel Arbeit. Als diese Freundinnen von meiner Krankheit erfahren haben und mich seitdem beobachten, wie ich damit umgehe, können sie es kaum glauben. Sie finden mich unverändert. Diese Freundschaften sind mir sehr wichtig. Sie fangen mich auf und geben mir viel Halt.
Leider ist nun vor kurzem meine Freundin und ehemalige Schulkameradin, die ich 56 Jahre kannte, im Alter von 69 Jahren verstorben. Sie fehlt mir sehr.